Gehen wir ein Stück?

 Zu Fuß unterwegs: In Corona-Zeiten hat das Spazierengehen einen Boom erlebt. Warum die unterschätzte Bewegungsform mehr ist, als nur einen Schritt vor den anderen setzen. So beginnt ein Artikel in der Apotheken Umschau vom 15. April 2021, der mir dieser Tage zufällig in die Hände kam. Leider auch heute noch aktuell nach fast einem Jahr, denn Corona gibt es immer noch! Darin wird weiter unter anderem von einem Professor Martin Schmitz berichtet, der an der Uni Kassel Spazierwissenschaften (Promenadologie) lehrt, basierend auf den Erkenntnissen in den 1980er-Jahren des Schweizer Soziologen Lucius Burkhardt, bei dem Martin Schmitz studierte. Damals sei der vorläufige Höhepunkt der Mobilität erkannt worden, mit Autos, Schnellzügen, Charterflügen … Gibt es ja heute alles auch noch, neues ist dazu gekommen, wie schnelle E-Pedelecs. Doch je schneller man sich fortbewege, desto schemenhafter nähme man die Umgebung wahr, der Autofahrer z.B. würde nur noch ein abstraktes Landschaftsbild erleben, alles husche an ihm vorbei, so der Promenadologe. Zeit also, möglichst viel bei der Mobilität zu entschleunigen, durch einfach mal öfter Spazierengehen, bummeln, schlendern. Nicht nur in den Straßen, vor allem in den Parks und öffentlichem Grün seien so Zufluchtsorte geworden, hier außerhalb der Großstadt auch über die Feldflur und durch den leider raren Wald im näheren Umkreis. Vorbildlich ist da der Promenadenring in Leipzig als ältester städtischer Landschaftspark: „Promenieren Sie auf lauschigen Wegen unter den Kronen majestätischer Bäume. Von Zeit zu Zeit treten repräsentative Gebäude aus der grünen Kulisse. Liebevoll gestaltete Schmuckbeete setzen von April bis Oktober farbige Akzente“.

 Dabei geht es Martin Schmitz gar nicht um vorher geplante Wege, vielmehr gehe es bei der Spazierwissenschaft darum, ohne festes Ziel loszulaufen, jedes Mal seine Umgebung zu beobachten und Neues zu entdecken, sicher auch Gerüche und Geräusche wie Vogelzwitschern in sich aufnehmen und das Glück, einfach das Dasein genießen. Nur eines müsse man entscheiden: Gehe ich heute nach rechts oder links, dann fädelt sich der Rest ein, so seine Meinung. Wer aber Anregungen zum Unterwegs sein braucht, den kann ich auf meine Spaziervorschläge als auch Leiter des Wander- und SpazierKlubs Wanderfreunde Remseck Aktive 55plus hinweisen, wenn man da überall rum ist, dann in Gegenrichtung spaziert, dann kann man gut wieder von vorne anfangen, es gibt immer was Neues zu entdecken: https://www.wanderfreunde-remseck.de/einfach-mal-raus-spaziergaenge-und-wanderungen-in-corona-zeiten/  .

 Beim Spazierengehen muss man nicht selbst grübeln, durch die Einflüsse aus der Umwelt angeregt fließen die Gedanken und Ideen wie von selbst. Traue keinem Gedanken, der nicht im Gehen entstanden ist, soll der Philosoph Friedrich Nietzsche gesagt haben, auch Albert Einstein, z.B., soll oft in die Wälder gegangen sein, um dort besonders knifflige Problemstellungen leichter zu lösen. Immer wieder bekannt geworden sind auch Spaziergänge von Politikern, deren festgefahrene schwierige Einigung dann mit guten Ergebnissen im Park gelang. Also auch von dieser Seite öfter da einfach mal raus zum gemeinsamen, problemlösenden Gehen!

Dieses Spazierengehen ist als wichtig und fördernd auch in der Psychotherapie seit langem erkannt worden, da gibt es sog. Walk and Talk-Termine, die erfolgreicher sind als das bloße Gegenübersitzen. Dass Spazierengehen die Psyche entspannt seien in Studien in Japan und Norwegen bewiesen worden, dabei ging es auch um die sportliche gesundheitliche Fitness. Die WHO hat Anfang 2021 die empfohlene Bewegungszeit mit Gehen inzwischen bei Erwachsenen auf bis 300 Minuten wöchentlich angehoben mit der Begründung, dass dies nach Berechnungen weltweit jährlich mehr als fünf Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern würde. Also, auf geht’s!