Fußgänger leben gefährlich: Das soll sich ändern
So titelte die LKZ am 13.5.22 S. 17 und berichtete über den unakzeptablen „Blutzoll“ von Fußgänger im Straßenverkehr. Lt. www.destatis.de kamen allein im Jahr 2021 gemeldete 342 zu Fußgehende dabei ums Leben, über angezeigte 22.500 wurden verletzt. Wobei die Dunkelziffer bei nicht schwerer Verletzung sicher hoch und für Betroffene auch schlimm ist. Zu viele also, meinen nun nicht nur die Landes-Verkehrsminister, Bundes-Verkehrsminister Wissing (FDP), der Deutsche verkehrssicherheitsrat und unser Fachverband FUSS e.V., alle im Artikel mit Stellungnahmen benannt und fordern Änderungen ein. Dabei ist in Corona-Zeiten laut Untersuchungen der zu Fuß zurückgelegte Anteil von 22% deutlich auf 30% gestiegen, was die Beliebtheit dieser Mobilitätsart bestätigt. Das Bundes-Verkehrsministerium hatte bereits mitgeteilt, dass über 80% der Deutschen, mit Schwerpunkt Frauen, Ältere und Kinder, gerne oder sogar sehr gerne per pedes unterwegs sind, jeder dritte Weg würde zu Fuß zurückgelegt. Die Sicherheit, aber auch die Ungestörtheit und Attraktivität beim Fußverkehr hat also für diese große Bevölkerungsgruppe der Fußgänger erheblichen Nachholbedarf! In den letzten Jahren sei viel für den Radverkehr auf den Weg gebracht worden, was wichtig und richtig sei, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. Darüber dürfe aber die Sicherheit des Fußverkehrs nicht vergessen werden.
Auch hier im Ländle mit unserem eher radbegeisterten Verkehrsminister Hermann muss endlich ein Umdenken stattfinden, aber auch bei den dadurch oft einseitig agierenden Verkehrsbehörden vor Ort. Statt immer noch meinen zu müssen, den Radverkehr oft zu Lasten des Fußverkehrs auf deren Wege zu befördern, muss zeitnah eine Entflechtung dieser beiden Verkehrsarten vorangetrieben werden, anstatt z. B. in teure, landschaftsverschlingende „Radautobahnen“ für wenige Schnellfahrer Millionen zu investieren. In einer Landtagspetition hat unsere Vorgängerinitiative ProPedes diese Entflechtung bereits 2019 eingefordert, im Schlussbericht heißt es: … dass „gemeinsame Führungen … Innerorts grundsätzlich zu vermeiden sind“. Und dass weitere Investitionen von Land und Kommunen dazu beitragen, dass „vermehrt vom Fußverkehr getrennte Radverkehrsführungen realisiert werden“. Es sei dies aber eine langfristige Aufgabe. Wir meinen: Inzwischen ist genug Zeit vergangen, sind hohe Steuermittel bei der Radförderung bereitgestellt worden, ohne diese Entflechtung wirklich voranzutreiben. Vielmehr baut man teure Radautobahnen übers Land, nur weil es andere auch machen und macht es sich weiterhin einfach und belegt immer noch innerorts zu schmale Fuß- und Gehwege entgegen eindeutige Vorgaben mit störendem, gefährdendem Radverkehr! Auch außerorts werden die festgelegten Mindestbreiten des Verordnungsgebers meist nicht eingehalten. Wir werden hier aber beim Ministerium nochmal nachfassen.
FUSS-Bundesvorstand Roland Stimpel betont auch die Wichtigkeit, dass der Fußverkehr endlich auch Thema der rechtsetzenden Bundespolitik ist und fordert dort ein eigenes Fußverkehrsreferat im Ministerium ein, bisher nur Rad, damit die Fußverkehrsförderung von dort dann intensiviert werden kann.