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22.1.2021

Nur ein fußgängerfreundliches Remseck ist ein l(i)ebenswertes Remseck!

Mit einer für alle offenen Bürgerbeteiligung unserer FUSS e.V.-Ortsgruppe Remseck+Umgebung sind wir in 2020 unter Corona-erschwerten Bedingungen ein großes ehrenamtliches Projekt angegangen, die FußverkehrsChecks in den Remsecker Ortsteilen. Unter dem Motto: Nur ein fußgängerfreundliches Remseck ist ein l(i)ebenswertes Remseck! konnten wir, trotz oder gerade wegen Corona-Krisenzeiten, mit fast 30 Teilnehmern aus allen Ortsteilen über 220 Checks (Bewertungen) in allen Ortsteilen machen, mit einem speziellen für diese Situation erstellten Projektplan und unter Einsatz von Telefon, E-Mail und Handy-MeldeApp. Für diesen, bisher bekannten, größten FußverkehrsCheck fanden wir viel Beachtung in der Bürgerschaft, Presse und Fachkreisen, viel Lob gab es auch von unserem FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland in Berlin. Weitere Einzelheiten bereits auf unserer neu entstehenden Homepage https://www.remseck-zu-fuss.de/fussverkehrschecks/remseck . Beim Projekt geht es in erster Linie um sichere Gehwege, auch Fußgänger-Schutzstreifen, Zebrastreifen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, ungestörte Spazierwege, auch außerhalb, und aber auch Radwegevorschläge, und vieles andere mehr.  

Leider stecken wir derzeit im sog. Ergebnisverfahren fest, d.h. die Checks wurden alle zusammengestellt, unter den Mitmachenden abgestimmt und priorisiert und damit eine Ergebnisliste erstellt, die dem Rathaus Remseck bereits im Juli 2020 übergeben wurde, für Pattonville Anfang Oktober. Für den weiteren Fortgang wurde dabei damals gleich mit dem Rathaus Remseck vereinbart, dass die Fachabteilungen schon mal vorab prüfen, was sowieso schon angedacht war bzw. gleich umsetzbar ist. Bei der Stadt Kornwestheim, für deren Teil von Pattonville, gab es gleich direkte Kontakte mit Fachabteilungen, dort sind wir bisher auf „gutem Weg“.

Pressemitteilung von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 24. April 2020

*Gehweg wird besser geschützt: Höhere Bußen für Missbrauch*
Falsches Parken und Radfahren teurer – Fußgängerlobby empfiehlt Anzeigen
(24.4.20) Wer mit dem Auto, Fahrrad oder E-Roller Gehwege missbraucht, muss sich auf deutlich höhere Geldbußen gefasst machen. Wenn am Dienstag (28.4.) die geänderte Straßenverkehrsordnung in Kraft tritt, kosten unerlaubtes Parken und Fahren auf den Gehwegen mindestens 55 Euro Bußgeld. Werden Fußgänger behindert, sind es 70 Euro und werden sie gefährdet, sogar 80 Euro. Bisher waren nur Bußgelder von 10 bis 25 Euro fällig.

Die Fußgängerlobby FUSS e.V. begrüßt den Anstieg. „Gerade Gehwege brauchen wirksamen Schutz. Hier sind alte und behinderte Menschen, Kinder und andere unterwegs, die auf sichere und freie Wege angewiesen sind“, sagt Vorstand Roland Stimpel. „Leider werden Gehwege heute in sehr hässlicher Weise missbraucht. Autos und Motorräder engen den Raum oft illegal ein, Rad- und Rollerfahrer drängeln rücksichtslos zwischen den Menschen hindurch.“

FUSS e.V. fordert Ordnungsämter und Polizei auf, endlich dem Gehweg die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. „Einen Weg zum Beispiel für Rollstuhlfahrer zu blockieren ist viel übler als das Überziehen einer bezahlten Parkzeit. Und Schwarzfahren auf dem Gehweg gehört so energisch verfolgt wie Schwarzfahren in Bus und Bahn.“ Gegen Falschparker empfiehlt die Fußgängerlobby Anzeigen, die sich mit Hilfe von Apps wie „Weg_li“ und „Wegeheld“ rasch und rechtssicher erstatten lassen. „Das ist kein Denunzieren, sondern Einsatz des Rechts gegen dreisten Raumklau“, sagt Roland Stimpel. „Gegen Schwarzfahrer auf zwei Rädern sind aber die Behörden gefragt. Sie müssen oft und laut an ihre Pflicht erinnert werden, gerade die Schwächsten zu schützen. Vor allem viele Ältere empfinden das Gehwegfahren als alltäglichen Terror, der ihnen Bewegungsfreiheit und Sicherheit raubt.“ Hier ist sich FUSS e.V. mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club einig, der zur Bußgelderhöhung schreibt: „Der ADFC weist seit Langem darauf hin, dass das Radfahren auf Gehwegen rücksichtslos und gefährlich ist.“

FUSS e.V. Pressekontakt: Roland Stimpel, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
oder 0163 – 1833 508

Dem Fuss-Verein geht es zu langsam voran

Peter-Jürgen Gauß ärgert sich. Sein Engagement für die Belange von Fußgängern läuft gerade irgendwie ins Leere, findet er. Als Projektleiter innerhalb der Ortsgruppe Remseck und Umgebung des bundesweit agierenden Vereins Fuss wünscht er sich mehr Unterstützung von der Stadt Remseck.

Remseck. Ein Anliegen ist dem Verein der Themenweg Neckar. Er erstreckt sich über 13 Kilometer und führt den Spaziergänger vorbei am Remsecker Neckarstrand über das Neckarbiotop Zugwiesen unterhalb von Poppenweiler und die Uferwiesen bei Hoheneck bis zum Neckarparadies Benningen. Nach Meinung des Vereins Fuss gibt es auf den Wegen, die zu den Zugwiesen führen, einigen Verbesserungsbedarf.

Gefahr für Fußgänger

Der Themenweg werde viel genutzt, gerade auch jetzt, um in Coronazeiten an die frische Luft zu kommen, hat Gauß beobachtet. Bei weniger winterlichen Temperaturen sei das für Fußgänger aber ein gefährliches Unterfangen – durch oft rücksichtslose Radler, die ihnen auf diesem Themenweg das Gehen schwer machten. Im Bereich der Zugwiesen habe man das Selbstverständliche getan, nämlich getrennte Fuß- und Radwege angelegt, nicht aber bei den dorthin führenden Wegen, so Gauß. Um Verbesserungen zu erreichen, hat er sich bereits mehrfach an die Städte Remseck und Ludwigsburg gewandt. Mit mäßigem Erfolg, wie er berichtet. Als ehrenamtlich Tätiger werde man von Behörden oft „harsch abgebürstet“. Dennoch will er nicht lockerlassen. Auf Remsecker Markung schlägt der Fuss-Verein vor, im Bereich des Landschaftsparks Neckaraue einen breiteren Weg anzulegen, den Fußgänger und Radler nutzen können. Auch sei die offenporige Beschaffenheit des bestehendes Weges nicht geeignet für die vielen Radler. „Die machen den Weg kaputt“, so Gauß. Auf dem Verbindungsstück vom Gewerbegebiet Schießtal zum Biotop Zugwiesen wünscht sich der Verein getrennte Wege für Radler und Fußgänger, so wie es diese direkt in den Zugwiesen schon gibt. Dafür seien keine größeren Eingriffe in die Natur erforderlich.

Unzufrieden ist Peter-Jürgen Gauß auch noch mit etwas anderem. Im vergangenen Sommer hat der Verein in allen Remsecker Stadtteilen sogenannte Fußverkehrschecks durchgeführt und dabei überprüft, wie es um die Infrastruktur für Fußgänger bestellt ist. Die Ergebnisse dieser rund 200 Begehungen wurden zusammengetragen, bewertet, priorisiert und an die Stadt Remseck sowie für den Bereich Pattonville auch an die Stadt Kornwestheim geschickt (wir berichteten). „Nach über fünf Monaten stehen wir leider erst am Beginn der Umsetzungsphase“, berichtet Gauß. Teilweise sei das sicher der Coronapandemie und in Remseck auch dem für die Verwaltung aufwendigen Bürgerentscheid geschuldet. „Ich hoffe, dass es nun zeitnah gemeinsam wenigstens an die Umsetzung der Check-Punkte geht, die sicherheitsrelevant sind.“ In Kornwestheim habe es schon einen Austausch mit der Abteilung Planen, Bauen, Umwelt gegeben. „Da geht es voran“, sagt Gauß.

Bitte an den Minister

In der Hoffnung, den Anliegen des Vereins mehr Nachdruck verleihen zu können, hat Peter-Jürgen Gauß vor wenigen Tagen den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann gebeten, die Schirmherrschaft für die Fußverkehrschecks in Remseck zu übernehmen. Der mache sich schließlich immer dafür stark, dass die eigenen Füße als Verkehrsmittel künftig eine größere Rolle spielen sollten, und fordere, dass Kommunen mehr Raum für Fußgänger schaffen müssten.

Im Remsecker Rathaus mag man die Kritik von Peter-Jürgen Gauß nicht gelten lassen. „Wir sind nicht untätig gewesen“, sagt Daniela Dürr, die Leiterin der Stabsstelle Bürgerbeteiligung. Der Verein habe nach den Fußverkehrschecks sehr umfangreiche Listen mit Verbesserungswünschen abgegeben, die alle überprüft werden müssten. „Daran sind mehrer Ämter beteiligt, etwa das Ordnungsamt und das Bauamt“, erklärt Dürr im Gespräch mit unserer Zeitung. Das brauche Zeit. Teilweise seien übergeordnete Behörden zuständig, manches habe sich bereits erledigt. „Aber es sind auch einige Punkte aufgelistet, bei denen die Stadt Remseck etwas machen kann.“ Peter-Jürgen Gauß werde, wie versprochen, Anfang des Jahres eine Rückmeldung von der Stadt erhalten – zu allem, was in den Fußverkehrschecklisten angemerkt ist. Auch beim Themenweg Neckar verspricht Daniela Dürr städtisches Engagement. Allerdings anders, als es sich Peter-Jürgen Gauß wünscht. Die Probleme dort seien bekannt. Es sei aber nicht möglich, den Weg im Bereich der Neckaraue zu verbreitern, weil ein Teilstück in Privatbesitz sei, so Dürr. Der Eigentümer dulde, dass Fußgänger und Radler sein Grundstück überquerten. „Mehr ist nicht drin.“ Zum Beginn der Radsaison soll eine Kampagne gestartet werden, die zur gegenseitigen Rücksichtnahme aufruft. „Eventuell im Zuge einer Bürgerbeteiligung“, so die Leiterin der entsprechenden Stabsstelle. Vom Gewerbegebiet Schießtal bis zu den Zugwiesen zwei getrennte Wege für Radler und Fußgänger anzulegen, hält die Stadt Remseck für nicht angebracht. Das sei ein weiterer Eingriff in die Natur und eine zusätzliche Flächenversiegelung.

Autor: Kristina Winter

 


 

Gehwege, nicht Fahrbahnen, sind das Grundnetz für jeden Verkehr – auch für den rollenden. Kein Autofahrer geht über die Fahrbahn zum Parkplatz, kein Stadtbahn-Benutzer auf den Schienen zur Haltestelle.

„Fußgänger müssen die Gehwege benutzen.“ So steht es in der Straßenverkehrs-Ordnung( StVO), §25 (1)) und gemeint ist damit jede öffentliche Verkehrsfläche, die erkennbar dem Fußverkehr dienen soll. Deshalb sind die baulichen Regelungen für die Sicherheit und den Komfort des Gehens besonders wichtig.

Regelwerke rund um Straßen, Wege und ihre Ausstattung erstellt die Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen (FGSV) - ein Verein, der grob vergleichbar ist mit dem DIN-Institut. Die für Gehwege und Fußgänger wichtigsten sind die "Richtline für die Anlage von Stadtstraßen" (RASt), siehe wie alle anderen Quellen am Ende des Artikels)und die Empfehlungen für Fußverkehrsanlagen EFA).und schließlich die "Richtline zur integrierten Netzgestaltung" (RIN), die "Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (H BVA)und weitere. Die Regelwerken stellen den derzeitigen "Stand der Technik" dar, stimmen aber im Detail nicht immer mit dem Standpunkt des FUSS e.V. überein. Auf dieser Seite geht es um folgende Themen:

 

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